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#5

Als ich in der Schule ankomme:
Es regnet, obwohl es gerade noch trocken war, ich friere, obwohl mir eben noch warm war.
"L, dein Kajal ist verschmiert." "L, du bist ja total nass." Danke, ich wusste nicht, dass meine Schminke nicht sturmregentauglich ist. Danke, ich wusste nicht, dass der Regen feucht war.

9:35 - 10:20 LATEIN
10:25 - 11:10 LATEIN

Und ich male kleine blaue Tintenherzen - für wen? Für Niemanden - in mein Heft, übermale sie, bis das Papier reisst und höre nicht.

"Warum fährst du eigentlich nicht mit nach Rom?"

Weil mich Rom nicht glücklicher machen wird, als diese triste, mittelgroße Stadt und weil ich den Gedanken nicht ertragen kann, IHNEN eine Woche lang ausgeliefert zu sein.

Und weil mir die Herzen zu langweilig werden, reihe ich zusammenhanglose Sätze aneinander. Und S stößt mich an und sagt : "Du bist echt verrückt, L." und ich weiß nicht, ob S es sagt, um mich zu verletzen oder zu loben, manchmal glaube ich, SIE verstehen nicht, was sie sagen, manchmal glaube ich, ich bin die einzig Nicht-Verrückte zwischen ihnen.

11:10 - 11:25 GROßE PAUSE

Ich suche E. Und finde Y und er nimmt mich mit sich und erzählt und gestikuliert wild und lacht und stellt mich zu seinen Freunden. Und der nasse Softball, den die Fünftklässler kicken, stört mich nur ein winzig kleines bisschen. "Einen Korb von einer 14-Jährigen zu bekommen ist ja wohl peinlich. Zweimal einen Korb von einer 14-Jährigen zu kriegen, ist arm. Und sich dann immer noch an sie ranmachen zu wollen, ist erbärmlich."

Vor dem Klassenraum: "L, S hat mir erzählt, dass du total nass geworden bist. Uh, und du solltest deinen Kajal nochmal neu nachziehen." Danke, dass du es wieder erwähnst. Und danke, dass du sonst keine Sorgen hast.

11:30 - 12:15 DEUTSCH

SIE diskutieren über Zitierregeln und Kopfnoten. Und wieder bleibt mein Blick an M hängen. Er hat das Haar an den Seiten abrasiert, ein breiter Haarstreifen zieht sich vom Nacken bis oberhalb der Stirn. Seine Frisur irritiert mich, sie steht so im Kontrast zu seiner Kindlichkeit. Alles steht im Kontrast zu seiner Kindlichkeit. Das Rauchen, das Trinken, das Kiffen. Der Gossenakzent klingt aufgesetzt und ich könnte lachen. Er fühlt sich beobachtet und sieht zurück und ich gucke schnell weg, aus Angst vor seinem verwirrten oder aggressiven Gesichtsausdruck. Was glotzt du so.

Meine Banknachbarin setzt sich weg und ich weiß, nun bin ich endgültig aus dem Spiel, denn selbst die Duldsamste flieht. Sie zieht die Schultern hoch und lächelt halb-bedauernd. "Ich bin total verrückt." "Ich liebe Leute, die so verrückt sind, wie ich." ich glaube, ich bin auf die falsche Art komisch.

12:20 - 13:05 KUNST

Wir malen und ich male ein Uhrwerk, mit schwarzer und rötlicher Kohle. Es gelingt mir nur amateurhaft, aber seltsamerweise bin ich mit dem Ergebnis zufrieden.

"Und bleibt einer von ihnen noch freiwillig zum Fegen?"
(Ich melde mich zögernd, aber sie übergeht es.)
"Okay, L, nennen sie mir eine Zahl."
"13"
(Bin ich klischeehaft?)
"13... 11, 12, ja, das wäre dann J. J, sie... ach, ich hab sie ja gerade weggeschickt."
"Ich kann auch fegen."

Das Fegen beruhigt mich unerklärlicherweise. Ich bin kein Ordnungshüter und dennoch liegt in dieser Ordnung etwas Tröstendes.
1.7.10 03:57
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Andreas / Website (1.7.10 06:39)
Ich glaube du bist auf die genau richtige Art komisch. Und ich liebe Leute die so sind. Und ich möchte auch ein Tintenherz!

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